free website templates

Gestatten?

Wie kommt eine Gemeinde zu Blechbläsern? Gehören die nicht in die Blaskapelle?
Unser Werdegang:

Die Posaunenchöre - wie sind sie entstanden?

Dass es die heutigen Posaunenchöre gibt, haben wir der Erweckungsbewegung der 1840er Jahre zu verdanken (siehe auch die Seite "Über uns" der Webseite der LKG Reichenbach). Durch die erweckliche Verkündigung damals entstanden viele Jünglings- und Missionsvereine. Da die Erweckungsbewegung gleichzeitig eine Singbewegung war, entstand der Wunsch, die gesungenen Lieder auch mit Instrumenten zu begleiten, und zwar mit Instrumenten, die auch auf den Straßen und in der Natur laut genug spielen konnten. Auf Bauernhofversammlungen, Umzügen, Waldgottesdiensten, Missionsfesten u.s.w. wurde das Blechblasen populär. Die "Wiege" der Posaunenchöre ist in Jöllenbeck in Ostwestfalen. Hier entstand aus einem Jünglingsverein ca. 1842 der erste Posaunenchor. Ab 1862 gab es die ersten Posaunentage, und der Gohfelder Pastor Eduard Kuhlo gab 1881 das erste Posaunenbuch heraus. Unabhängig davon entstanden ab ca. 1850 in Hannover-Land einige Posaunenchöre.

Dem Sohn von Eduard Kuhlo, Johannes Kuhlo, ist es zu verdanken, dass unsere Posaunenchöre aus einheitlichen Noten mit einheitlichen Instrumenten spielen. Davor gab es Bläsernoten in Klavierschreibweise, andere in Militärschreibweise. Außerdem wurden Instrumente in allen möglichen Stimmungen geblasen, so dass das Erlernen nicht einheitlich möglich war. Erst Johannes Kuhlo brachte eine gewisse Ordnung in die Posaunenchorlandschaft. 

Trotz vieler Bemühungen gelang es erst in den 1930er Jahren, die Posaunenarbeit in Verbänden zu organisieren. Nach dem zweiten Weltkrieg entwickelte sich durch die Trennung Deutschlands die Arbeit in Ost und West unterschiedlich. Unser Landesverband der Landeskirchlichen Gemeinschaften in Sachsen hat eine eigene Bläserarbeit.

Quellen: Niels Niemann: "Bläserklang im Gottes-Dienst" / www.gnadauer-posaunenbund.de

Mobirise

Bläser in Netzschkau 1930. Das Helikon im Hintergrund existiert immer noch und ist Dank Aufarbeitung beim Instrumentenbauer auch noch sehr gut spielbar.

Die Geschichte unseres Posaunenchors
Gegründet wurde unser Posaunenchor 1920 als Gemeinschaftschor. Aus der Anfangszeit ist nichts bekannt.
Ab Anfang der 40er Jahre leitete Willy Tuchscherer die Bläsergruppe. Durch den zweiten Weltkrieg gingen die Aktivitäten fast auf den Nullpunkt zurück (Es spielten ausschließlich Männer mit, die ja an die Front mussten). Nach dem Krieg, bis ca. 1947, baute Willy Tuchscherer den Posaunenchor wieder auf.
Dann bekam die Peter-Paul-Kirche einen neuen Kircheninspektor namens Willy Röder, der u.a. den dortigen Posaunenchor leitete. Da beide Chöre nur spärlich besetzt waren, schlossen sie sich unter der Leitung von KI Röder zusammen. Nach und nach kamen die meisten Männer aus der Kriegsgefangenschaft zurück, so dass die Mitgliederzahl wieder wuchs. In seiner Blütezeit hatte dieser gemeinsame Chor 16 bis 18 Bläser.
1964 verstarb Willy Röder. Die Posaunenchorarbeit litt sehr unter diesem Verlust. Der nachfolgende Kantor hatte leider nicht so ein großes Interesse an der Bläserarbeit wie Herr Röder. Außerdem wurden es immer weniger Bläser, die aus der Kirchgemeinde kamen. So wurde unser Posaunenchor wieder zu einem Gemeinschaftschor, und Gottfried Paul, einer der Mitbläser, übernahm die Leitung. Anfangs wurde noch im Gemeindesaal der Kirche geübt, doch als nur noch Bläser aus der Gemeinschaft mitspielten, verlegte man die Übungsstunden in die Landeskirchliche Gemeinschaft.
Nach dem Wegzug von Gottfried Paul (ca. 1973) übernahm Gerhard Drechsel das Zepter. Als er 1988 das Amt des Gemeinschaftsleiters übertragen bekam, wurde Ludwig Schwandt der Leiter. Leider musste er im Jahre 2004 aus beruflichen Gründen fortziehen. Friedmar Stier vertrat ihn bis Dezember 2006. Seitdem ist Stephan Ziegner Posaunenchorleiter.
(Quelle: Interview mit Gerhard Drechsel, ehemaliger Posaunenchorleiter)
Die Vorgeschichte der Posaunenchöre
Zur Ehre Gottes wird schon seit ca. 3000 Jahren mit Blasinstrumenten musiziert. Die ersten Instrumente waren allerdings Widderhörner, die sogenannten Schofare. Später kamen aus dem Zweistromland auch "Trompeten" aus Metall dazu. Doch bis zur Erfindung der Zugtrompete und der Posaune im 15. Jahrhundert wurden diese Instrumente nur als Signalinstrumente benutzt, weil man auf ihnen nur mit sehr viel Geschick Melodien blasen konnte.
Die ersten Bläserensembles bestanden aus Türmern und Stadtpfeifern, also fest angestellten Musikern. Allerdings wurde nie gleichzeitig gesungen und dazu gespielt. Das begann erst Anfang des 16. Jahrhunderts, die Bläserchöre bestanden nun aus verschieden großen Posaunen. Die Sopraninstrumente waren allerdings "Zinken", ein lederummanteltes Holzblasinstrument. Ende des 16. Jahrhunderts wurden dann die ersten reinen Bläsermusiken komponiert.
Im 18. Jahrhundert waren es zunehmend Laienmusiker, die in den Kantoreien mitwirkten. Es entstanden die ersten Vorläufer der Posaunenchöre. Vor allem in Sachsen und der Oberlausitz wurde die Posaunenmusik gepflegt.
Der Begriff "Posaunenchor" stammt aus Herrnhut. Anfang des 18. Jahrhunderts kamen Christen aus Böhmen und Mähren hierher und siedelten sich an. Sie brachten eine starke musikalische Tradition mit, die alle Lebensbereiche durchdrang. Zusätzlich zu den Posaunen wurden hier auch Waldhörner gespielt, die allerdings, wie die Trompeten, noch keine Ventile hatten. Es gab lediglich sog. Klappenhörner, deren Klang allerdings nicht besonders war.
Bis Anfang des 19. Jahrhunderts waren die Spielmöglichkeiten der Blasinstrumente recht eingeschränkt. Es konnten nur "Naturtöne" gespielt werden, also die Töne, die der Rohrlänge des Instruments entsprechend die Resonanztöne sind. Diese Naturtöne liegen, je höher man das Instrument spielt, immer näher zusammen, so dass man in diesem Tonbereich mit viel Geschick auch Melodien spielen konnte. Das machte aber das Erlernen des Spielens sehr schwer.
1813 wurden die ersten Ventile entwickelt, die beim Betätigen die Rohrlänge des Instruments durch Zwischenschaltens eines weiteren Rohrstücks vergrößern. Dadurch wird der Ton tiefer. Am Anfang wurden nur zwei Ventile verbaut, später drei. Das hat sich bei den meisten Blasinstrumenten durchgesetzt. Vor allem bei tiefen Instrumenten werden heute aber auch 4, selten sogar 5 Ventile verbaut.
Es gibt grob gesagt zwei Arten von Ventilen: Drehventile und Pumpventile. Die Pumpventile sind die heute meistens verbauten Ventile, da sie günstiger sind. Allerdings ist vor allem bei tiefen Instrumenten mit ihren größeren Rohrdurchmessern der Hub der Pumpventile im Vergleich zu den Drehventilen relativ groß, was das saubere Spielen von schnellen Tonfolgen schwierig macht. Deshalb sind die Drehventile bei vielen Profis immer noch die erste Wahl.
Quellen: Niels Niemann: "Bläserklang im Gottes-Dienst", Wikipedia



Hörner von Widdern wie diesem waren die ersten Blasinstrumente.

Mobirise